CHRONIK

Am 5. November 1974 trafen sich in der Gaststätte Thiel in Großenheidorn: Bruno Förster, Gudrun Funke, Herbert Funke, Werner Goslar, Helga Grote, Gerda Harste, Karl-Heinz Hillerdt, Hannelore Hillerdt, Helga Kannegiesser, Reinhard Kittler, Peter Knittel, Wolfgang Molkenthien, Ulli Obst, Wilfried Rumpel, Ingrid Tatje, Helga Wacker – und schon war das Kind „Laienspielgruppe Großenheidorn“ geboren.

 

Sofort ging es mit Begeisterung und Freude an die Arbeit. Das erste Stück musste vorbereitet werden. Dazu gehörte auf alle Fälle ein Textbuch für jeden spielenden Schauspieler, denn der Text musste geprobt und auswendig gelernt werden. Denn bevor der Text nicht auswendig gelernt war, konnte das Spielerische des Theaters nicht eingeübt werden. Also hieß es, lernen, lernen und nochmals lernen; üben, üben und nochmals üben.

 

Und auf der Bühne konnte es kalt sein, denn Geld für die Heizung war noch nicht da, es waren noch keine Einnahmen für die Kasse der Laienspielgruppe eingespielt worden. Da kam es schon vor, dass in Schal, Mantel und Handschuhen geprobt wurde. Aber glücklicher Weise genehmigte der Regisseur, wenn es zu arg kalt war, mal den einen oder anderen Grog oder Glühwein. Dann ging das Üben gleich nochmal so gut.

 

Am 10. Mai 1975 war es dann endlich so weit: Hinter der liebevoll ausgestatteten Bühne warteten nervös die Spieler und im vollbesetzten Saal 300 erwartungsvolle Großenheidorner.

Nach der kurzen Ansprache der Regie – auch die war furchtbar aufgeregt – begann das zweistündige Lustspiel „Der geplatzte Strohwitwer“. Als spontaner Beifall die spannende Handlung immer wieder unterbrach, legte sich auch allmählich das Lampenfieber der Spieler, und die Regie konnte ebenfalls aufatmen als das Klatschen im Saal zum Schluss kein Ende nehmen wollte. Das erste Stück war also erfolgreich über die Bühne gegangen. Spieler und Zuschauer beendeten den Theaterabend bei fröhlichem Tanz bis in die Morgenstunden.

Vierzehn Tage später wurde die Aufführung wiederholt, und auch diesmal erhielt sie vom Publikum begeisterten Beifall und von der Presse sehr lobende Worte. Die Stadt Laatzen lud die Laienspielgruppe zu einer Vorstellung für die Senioren der Stadt ein und damit begannen die Probleme einer Wanderbühne: LKW besorgen, Kulissen abbauen und aufladen, am Spielort dann wieder abladen und aufbauen, nach dem Spiel alles noch einmal. Glücklicherweise fanden sich genug freiwillige Helfer, so dass fortan auch auswärts gespielt werden konnte.

In den folgenden Jahren fanden die Premieren aber immer zu Ostern in Thieles Saal in Großenheidorn statt. Der anschließende Ball – oft mit der Kapelle Kolibris – wurde von der Dorfgemeinschaft in das örtliche Brauchtum einbezogen.

 

Im Unterschied zu anderen Vereinen war die Organisation der Laienspielgruppe Großenheidorn damals – wie auch heute noch – sehr locker und unbürokratisch. Nur die notwendigsten Ämter wurden an bestimmte durch Mehrheit gewählte Personen gebunden. Die Regie wurde immer nur für das in der kommenden Saison aufzuführende Stück zusammen mit der Rollenverteilung benannt.

Bereits beim Auswählen eines Lustspiels für die nächste Spielzeit musste die Zahl der bereitwilligen männlichen wie auch weiblichen Spieler berücksichtigt werden, eine Tatsache, wodurch die Auswahl der Stücke fast immer sehr einschränkte. Und bei der anschließenden Rollenverteilung war es damals – wie auch heute – nicht immer möglich jedem Akteur seine Traumrolle zu übertragen.

Die Gruppe, durch Freude und Erfolg zusammengehalten, fanden immer wieder neue Mitglieder. Bald war es über dreißig an der Zahl. Berufsbedingt mangelte es aber immer an spielbereiten Männern.

 

Ein besonders erfolgreiches Jahr war 1981. Im Januar traten Helga Kannegiesser und Helga Grote für die Laienspielgruppe in der NDR 2 Plattenkiste auf und trugen zur Gestaltung dieser einstündigen Rundfunksendung bei.

Für die Aufführung zu Ostern 1981 standen fünf neue Spieler zur Verfügung. Aber es fehlte eine Ziege, denn in dem vorgesehenen Lustspiel „Alles wegen Laura“ sollte laut Textbuch eine solche auf der Bühne erscheinen. Dann brachte die Leine Zeitung folgende Notiz: „… der Aufruf der Leine-Zeitung hatte Erfolg. Es meldete sich Professor Faries vom Max Plank Institut in Mariensee: Wir haben genügend Ziegen im Stall und stellen eine Laura gerne zur  Verfügung …“. Und so wurde auch dieses Stück wieder ein glänzender Erfolgt. Über 1200 Zuschauer haben es in der Spielzeit gesehen.

 

Natürlich gab es im Laufe der Jahre auch hin und wieder eine Enttäuschung. Der Termin für eine Aufführung in Isenstedt (Westfalen) fiel unglücklicherweise mit der Fernsehübertragung eines Fußball-Länderspiels zusammen, so dass lediglich ein paar weibliche Familienangehörige im Zuschauerraum saßen, die Männer dagegen vor dem häuslichen Fernsehe. Oder bei einer Aufführung in Groß Munzel wo lediglich 12 Zuschauer den Saal bevölkerten, obgleich kurz vor der Aufführung auf den Dorfstraßen noch massiv geworben wurde. Es ist trotzdem gespielt worden.

In solchen Fällen konnten die beträchtlichen Kosten für die auswärtigen Auftritte natürlich nicht durch die Einnahmen gedeckt werden. Aber der Spaß am Spiel war ausschlaggebend, und in Orten wie Laatzen, Neustadt, Peetzen, Poggenhagen u.a. war die Laienspielgruppe bekannt und beliebt.

 

Anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens 1984 war der Dank an die treuen Großenheidorner  Zuschauer ein Bedürfnis und so ließ die Laienspielgruppe vor dem ehemaligen Feuerwehr- und Gemeindehaus zur Verschönerung des Dorfes eine amerikanische Roteiche pflanzen.

 

Bei der Premiere des Stückes „Krach im Landhaus Kunigunde“ fand dann auch eine Tombola statt. Der erste Preis war ein Flug nach Rimini (Rinteln-Minden-Nienburg). Nach der Aufführung bedankte sich Ortsbürgermeisterin Helga Bode – wie übrigens in jedem Jahr – diesmal mit den Worten: „… der Ostertag wäre nichts, wenn die Laienspielgruppe nicht spielte“.

 

Ein weiterer nennenswerter Erfolg war 1987 das Lustspiel „Aal in Gelee“, welches sieben Mal aufgeführt wurde, auch im Rahmen der Veranstaltungen zu Gunsten der Aktion Sorgenkind in Wunstorf.

Ein Jahr später mussten erstmalig nach 13 Jahren die Aufführungen ausfallen. Es war trotz Zeitungsanzeigen nicht möglich gewesen, die erforderliche Zahl männlicher Darsteller zu finden. Die Laienspieler beteiligten sich aber wie üblich am jährlichen Schützenfestumzug in Großenheidorn und diesmal auch am Wunstorfer Altstadtfest mit der kleinen Inszenierung „Krokodilshaut“, die speziell für junge Zuschauer zugeschnitten war.

 

Obgleich im nächsten Jahr wieder ein Stück auf die Bühne gebracht werden konnte, führte der ständige Mangel an männlichen Darstellern zu folgender Anzeige in der örtlichen Presse: „WO SIND DIE JUNGEN VOM SCHÜTZENFEST?… Das große Problem dieser Saison schien gelöst, als sich während des Großenheidorner Schützenfestes zwei junge Männer bei den Spielleuten meldeten und ihr Interesse bekundeten. Doch leider vergaßen die Laienspieler damals, die Namen zu notieren. Die Laienspielgruppe bittet deshalb besonders die beiden Jungen vom Schützenfest, am Dienstag, 16. oder 23. Oktober, nach Großenheidorn zu kommen. Man trifft sich ab 19.30 Uhr in der Gaststätte Thiele …“.

 

Und nicht nur diese Jungen meldeten sich, so dass 1991 mit sechs „Neulingen“ das Lustspiel „Der Zweifamilienurlaub“ auf der Bühne – wieder mit sehr großem Zuspruch der Zuschauer – dargebracht werden konnte.

 

Aber neue Probleme tauchten von ganz anderer Seite auf. Die Gaststätte Thiele wurde verkauft und geschlossen. Der Laienspielgruppe stand jetzt keine Bühne und kein Saal mehr zur Verfügung. Eifrig wurde nach neuen Örtlichkeiten gesucht und schließlich im Steinhuder Gemeindesaal Am Anger gefunden. Nach einer Vereinbarung mit der Evangelischen Kirchengemeinde und Herrn Pastor Koller wurde der Laienspielgruppe erlaubt, im Gemeindesaal zu üben und auf der dortigen Bühne auch aufzuführen. Jetzt standen für die winterlichen Übungsabende bequeme und gut heizbare Räumlichkeiten zur Verfügung.

 

Auch in der Laienspielgruppe selbst änderte sich Einiges.

1995 gab Helga Kannegiesser nach 20-jähriger Tätigkeit den Vorsitz ab. Dieter Höhne und sein Team wurde als Nachfolger gewählt. Peter Knittel, Gründungsmitglied und seit den Anfängen unermüdlich aktiv, übernahm die verantwortungsvolle und aufreibende Arbeit der Regie zusammen mit einer Assistentin oder einem Assistenten.

 

Und auch wenn in den letzten Jahren kein „Osterball bei Thieles“ mehr stattfand, so hat die Beliebtheit der Laienspielgruppe Großenheidorn keinerlei Einbuße erlitten, sondern erfreut sich nach wie vor der Gunst des Großenheidorner und jetzt ach Steinhuder Publikums.

 

1997 wurde der Reinerlös einer Aufführung für den Wiederaufbau des Kindergartens in Steinhude gespendet.

An der 750-Jahr-Feier von Großenheidorn hat sich die Laienspielgruppe unter Anderem auch mit einem Verkaufsstand beteiligt.

 

1999 haben wir gemeinsam mit allen Freunden der Laienspielgruppe Großenheidorn das 25-jährige Jubiläum gefeiert. Viele Grüße und Wünsche für das weitere Bestehen der Laienspielgruppe wurden uns übergeben und bekundet, dass die jährlichen Osteraufführungen aus dem Ortsleben von Großenheidorn nicht mehr wegzudenken seien.

 

Seit 2007 spielt die Laienspielgruppe jedes Jahr auch im Stadttheater Wunstorf und auch von diesem Publikum wird jährlich die Aufführung mit Spannung erwartet.  Für unseren ersten Auftritt im Stadttheater hat uns die Firma Schwiering die Gerüste für die Folien für das Bühnenbild geliefert.

 

Das Jahr 2009 war für uns Laienspieler ein besonderes Theaterjahr. Wir haben dieses Jahr ein Theaterstück als Welt-Uraufführung auf die Bühne gebracht. Bei dieser Veranstaltung war die Autorin Frau Erika Kainberger-Kapeller zur Aufführung zu Besuch, und war schwer begeistert von der Leistung unserer Laienspieler.

 

Im Jahr 2010 haben wir das Stück „Ehrensache“ aufgeführt. Dieses Theaterstück stellte eine besondere Herausforderung an unseren „Bühnenbauer“ Günter Bonnet, denn dieses Mal benötigten wir ein Gemälde, das sprechen konnte. Das heißt, hinter dem Bild sitzt eine Schauspielerin, die in das Geschehen auf der Bühne immer wieder eingreifen sollte. Wie sollen wir nur dieses Bühnenbild aufbauen? Diese Frage stand im Raum. Aber durch den Einfallsreichtum von Günter und unseren Laienspielern haben wir auch dieses Problem super gelöst.

 

Oh je, nach unserer Aufführung im Jahr 2011 wurde Ebels Saal geschlossen – für immer. Das war für uns Laienspieler wieder einmal ein Meilenstein, der nicht zum Stolperstein werden durfte. Zum Glück hält die Dorfgemeinschaft Großenheidorn auch hier wieder zusammen.

 

Und so kam es, dass wir mit vielem Aufwand und der vollen Unterstützung von anderen Vereinen, wie die Feuerwehr, den MTV und dem Trägerverein Großenheidorn 2013 unsere erste Aufführung in der Mehrzweckhalle durchführen konnten. Dabei gab es noch weitere Anforderungen an die Laienspieler – sie mussten das erste Mal mit Mikrofonen spielen. Die Aufregung war nicht nur bei den Schauspielern groß, auch die „Technik“ hatte alle Hände voll zu tun, damit die Technik nicht versagte.

 

Dieses Jahr 2014 begehen wir das 40. Jahr des Bestehens und Schaffens der Laienspielgruppe Großenheidorn. Die Laienspielgruppe ist aus dem Ortsleben von Großenheidorn, Steinhude und Wunstorf nicht mehr wegzudenken. Wenn einmal kein Stück – wie 2012 geschehen – kommen sofort Anfragen, warum kein Theaterstück zu Ostern auf die Bühne kommt. Das ist doch ein gutes Zeichen dafür, dass die Laienspielgruppe mit Ihrer Theaterpremiere am Ostersonntag und dem folgenden Osterball zur festen Tradition von Großenheidorn geworden ist.

 

Und solange sich noch genügend Frauen und vor allem auch Männer bereit finden ihre Verwandlungskünste auf der Bühne zu zeigen und auch Spaß daran haben, den Zuschauern ein Lächeln oder gar stürmischen Beifall zu entlocken, brauch wir um die Zukunft der Laienspielgruppe Großenheidorn nicht zu bangen.